Die Meister des Ausreichenden mit nächstem Heimsieg
Das ein gutes Pferd nicht höher springt, als es muss, ist weithin bekannt. Das alte Pferde wie der USV dazu hin und wieder tiefere Hindernisse brauchen als junge Vollblüter hat sich anscheinend in der Liga herumgesprochen. Und so wollte auch Rotation Prenzlauer Berg am letzten Spieltag keine echte Hürde zu sein. Und als der USV selbst diese Höhe gegen Ende des Spiels bedenklich wackeln ließ, stellten sich die Wertungsrichter einfach mal blind und erkannten auf korrektes Überspringen. Übersetzt in die Sprache der Landeshauptstadt - perfektes lange Leine, kurze Leine, 3:0 gegen die rotierenden Gäste.
Satz eins war dabei noch die klarste Angelegenheit. Gleich am Anfang konnte sich der USV mit fünf Punkten absetzen und brachte diesen Vorsprung alles in allem recht ungefährdet über die Runden. Im Angriff getragen vom Meister des Blockan- und Blockdurchschlagens, Björn Bullert, war das Sideout der Hausherren selten gefährdet, während man im Breakspiel auf die Fehler der Gästeangriffe wartete, hin und wieder nen Block einstreute und sich angesichts der hohen Führung den Niederungen engagierter Abwehrarbeit konsequent verwehrte.
Die Art und Weise, wie Prenzlberg diese "Schwäche" ausnutzen wollte, wird vom Autor an dieser Stelle nur deshalb beschrieben werden, weil er im zweiten Durchgang jegliche Achtung vor der sportlichen Ethik der Gäste verlor. Diese verlegten sich gefühlt den gesamten Satz lang aufs Legen - jede weibliche C-Jugend-Mannschaft wäre ob so einer Taktik bemitleidet worden, in der Regionalliga der Männer hat diese Absurdität wirklich gar nichts verloren. Ungläubig schaute sich der USV das unwürdige Treiben bis zur Satzmitte an, legte dann aber sukzessive zu und gewann den Satz knapp aber verdient. In dieser Phase verwandelte vor allem der sachliche Atti diverse Geschenke der gegnerischen Annahme angenehm unaufgeregt - wie es halt so seine Art ist.
Zwei im Sack, der dritte sollte eigentlich nur eine Formsache werden, speziell wenn man die Volleyballverweigerung der Gäste aus dem zweiten Satz betrachtete. Da sowohl Atti als auch Bullrich die Vorgaben des Trainers frühzeitig erfüllten, brachte dieser für den dritten Satz zusätzliche Routine aufs Feld, Big Man Reimi und Lars Hurtig kamen in die Aufstellung. Nach einem eher desinteressierten Start der Potsdamer in Verbindung mit nun immerhin ordentlich spielenden Berlinern (die ihre Legekrankheit zwar nicht ganz überwanden, aber doch besser im Griff hatten) wurde es gegen Mitte des Satzes dann etwas eng - 18:13 führten die Gäste zwischenzeitlich. Da aber niemand unserem grippegeplagtem Zuspieler zusätzliche Sporteinheiten zumuten wollten, fand man gerade noch rechtzeitig zurück in die Spur, spielte fast fehlerfrei im Sideout und konnte sich im Block und Angriff auf Marte, Lars und Reimi verlassen. Da die Berliner teilweise kurios unkonventionell in der Abwehr getroffen wurden, hangelte sich der letzte Durchgang dann noch über die 30-Punkte-Marke hinaus, bevor der USV mit einer denkwürdigen Kombination (Grohs auf Reimann) den Matchball verwandelte.
Jetzt darf sich der Rest der Liga eine Woche austoben während beim USV in den kommenden zwei Wochen ausgeschnickt wird, wer mit nach Cottbus "darf".
Sonstige Highlights:
- Zuspieler Kuss greift im zweiten Satz nach Einhandblock härter an als alle Prenzlberger
- Marte verliert kurzfristig das Vertrauen in seinen Sprungaufschlag
- Bullrichs Angriffsquote macht Grozer Junior neidisch

Kommentare
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